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Abenteuer Offenstallbau

Freitag 24. Januar 2014 von admin

So, jetzt wurde es klare Gewissheit: mein bisheriger Offenstall mit Auslauf musste weg – also was tun? Heimlich bauen im Außenbereich? Ganz schlechte Idee, zu dieser Zeit wurde stark kontrolliert. Also blieb nur eine Lösung. die Ponys mussten “in den Garten”….

Das Problem: der bisherige Stall passte von seiner Ausrichtung so nicht ohne weiteres dorthin, also sollte es ein “Anbau” an das schon bestehende Holzlager werden. Aber wohin mit dem Auslauf? Den halben Garten opfern? Fragen, ob man ein Stück Weide unterhalb pachten könnte? Am schönsten wäre es, ein Stück zu kaufen…. Aber vor all diesen Überlegungen kam die wichtigste Frage – würden wir eine Genehmigung erhalten? Unser Grundstück liegt zwar nicht im reinen Wohngebiet und direkt neben uns ist auch eine Pferdehaltung, aber das bedeutet alles nicht, dass ein solches Vorhaben genehmigt wird. Nach einer kurzen mündlichen Anfrage beim zuständigen Bauamt, bei dem man an dieser Stelle erst einmal nichts sah was dagegen sprach, (was auch noch nichts bedeutete), machten wir uns an die Planung für den Bauantrag.

Phase 1: Zahlen, Daten, Fakten….

Vorhandene Ponys, benötigte Stall- u. Auslauffläche? Die  Zahlen für die benötigten Flächen findet man z.B. in den “Leitlinien zur Beurteilung von Pferdehaltungen unter Tierschutzgesichtspunkten”.

Denn wichtig zu wissen: bei einem solchen Bauantrag geht es nicht nur um den Bau an sich, sondern auch um das Thema Pferdehaltung – und damit muss auch die Zustimmung des Veterinäramtes erfolgen. Die Leitlinien geben dafür eine gute Hilfe, auch wenn sie nicht bindend sind, erleichtert es die Genehmigung wenn man sich daran hält.

Dazu ist natürlich die Frage zu sehen, wieviel Platz steht mir zur Verfügung und darf dieser bebaut werden? Hier hilft das Bauamt bzw. die jeweilige Landesbauordnung weiter. Heute erhält man als Privatmensch in der Regel nur noch eine Baugenehmigung im “Innenbereich” der Bebauung, d.h. die neuen Gebäude müssen sich im Bereich der vorhandnen Bebauung befinden. Dazu kommt die Beachtung der möglichen Grenzbebauung, die eine bestimmte Gesamtlänge nicht überschreiten darf. Zu klären ist auch die Frage, ob eine Grenzbebauung überhaupt an dieser Stelle zulässig ist, ein Punkt der unter Umständen auch noch mit den Nachbarn abgeklärt werden muss.

Phase 2 – Stallplanung

So, die Zahlen sind bekannt, der Ort für den neuen Stall “ausgeguckt”, nun müssen Pläne her. Wie soll der Stall aussehen? An welche Stelle des Grundstücks soll er kommen? Wie sind die Windrichtungen, wird es ein Boxenstall mit Auslauf oder ein Offenstall? Wie lege  ich die Eingänge, wo ist Platz für Futter?

Phase 3 – Unterlagen für das Bauamt

Zur Einreichung beim Bauamt müssen Bauzeichnungen vorhanden sein und spätestens mit dem Bauantrag auch eine Statik nachgewiesen werden. Wer sich ein wenig auskennt, Zeit und Spaß daran hat, kann die Bauzeichnung auch selbst erstellen (zumindest für kleine Ställe oder Unterstände), ansonsten kann hiermit ein Architekt oder auch ein Bauingenieur dienen. Für die Berechnung der Statik ist dann wieder der Bauingenieur gefragt. Einfacher geht es mit gekauften Ställen, wer hier früh genug darauf achtet, erhält dort oftmals die Baupläne und die Statik dazu.

Zu den weitern Unterlagen, die eingereicht werden müssen, gehört in der Regel auch eine genaue Beschreibung, was genaun geplatnt ist. Dazu gehört zum Beispiel die Anzahl der Pferde und die Art der Haltung, also ob geschlossene Box, Gruppenstall oder Offenstall mit Auslauf.

Ein weiteres wichtiges Thema, das einen sensiblen Umgang erfordert ist die Frage der Hinterlassenschaften der Pferde,. Ja, genau, Urin und Bollen. Denn diese fallen unter die grundwassergefährdenden Stoffe und dürfen daher nicht ohne weiteres auf den ungeschützten Boden gelangen. In der Regel haben die Bauämter dazu passende Merkblätter zur Verfügung – allerdings wird derjenige, ser sich überlegt seine 2-3 Ponys zu halten, dabei schnell den Mut verlieren. Denn diese Verordnungen machen keinen Unterschied zwischen viel oder wenig Mist, sondern hier geht es um den Schutz des Grundwassers und dabei verstehen die Behörden keinen Spaß mehr. Allerdings wird es natürlich an der Stelle schwierig, bei der es um die Frage der geeigneten Mistlagerstätte geht: Diese muss eine bestimmte Größe haben, aus einem bestimmten Betonmaterial bestehen, über eine Güllesammeleinrichtung verfügen und mit einem Trecker erreichbar sein… Dazu darf sie als “Bau” nicht im Außenbereich liegen (außer es handelt sich um eine priviligierte Landwirtschaft) – und an diesem Punkt stellt sich auch als Pferdeliebhaber die Frage, ob es einem selbst und den Nachbarn wohl Spaß macht, eine Mitstplatte 5 m neben dem Haus zu haben…

Wer es jetzt noch schafft, sich aus seinem Zusammenbruch wieder aufzurichten, für den gibt es Hoffnung! Denn es geht ja eigentlich “nur” um die Frage, wie man den Eintrag von Gülle in de Boden verhindern kann oder wie man seinen Mist los wird. Aus dem ersten Punkt ergibt sich, dass der Stall über einen Boden verfügen muss, die Behörden sehen da sehr gerne den geeigneten Beton, damit ist das ein kleineres Problem. Das Zweite ist das Thema Mistlagerung und -entsorgung. Hier gibt es verschieden Möglichkeiten, zum Beispiel kann der Mist vom Bauern abgeholt werden oder von einem Containerdienst. Aber auch hier gilt: der Boden muss dementsprechend dafür ausgelegt sein, bzw. das Ganze ist gegen Auswaschungen mit einer Abdeckung zu schützen.

Die Praxis

Mit der Einreichung der Bauunterlagen beginnt normalerweise folgendes Prozedere: Der Bauausschuss der Gemeinde/Stadt bekommt die Anfrage auf seiner nächsten Sitzung vorgelegt und stimmt darüber ab. Danach werden die anderen beteiligten Behörden angeschreiben und nehmen Stellung zu dem Bauvorhaben. Das sind in der Regel das Veterinäramt und die Behörden, die in den jeweiligen Bundesländern für den Landschaftsschutz und den Gewässerschutz zuständig sind. Diese Anfragen können einige Wochen ins Land gehen lassen und hier ist ein wenig Geduld gefragt. Aber was tun, wenn der Antrag von einer der beteiligten Parteien abgelehnt wird?

Hier hilft einmal das genaue Lesen der Begündung (vielleicht war ja nur etwas falsch ausgedrückt/interpretiert worden) und dann der persönliche Kontakt. Machen Sie telefonsich einen Termin aus oder versuchen sie schon gleich das Problem am Telefon zu klären. Auch wenn man sich oftmals gerade als Pferdehalter in solchen Momenten von den Behörden persönlich verfolgt sieht – Ruhe bewahren und ein sachliches Gespräch führen. Am besten, sich gut vorbereiten und mit sachlichen Fragen beginnen (z.B. ich habe da etwas in der Begründung nicht verstanden oder würde ihnen dies oder das als Alternative reichen….). Daran denken: auch die Sachbearbeiter machen in der Regel nur ihren Job und haben die vorhandenen Vorgaben und Gesetze umzusetzen.

Sollte man nun wirklich auf einen Sachbearbeiter stoßen, der sagt, er würde die Pferdehaltung ablehenen weil er grundslätzlich was dagegen hätte, dann hilft in vielen Fällen ein Gang zu einem Anwalt, der sich mit dem Bereich Pferdehaltung auskennt. Denn auch die Ämter sind an Recht und Gesetz gebunden und müssen begründen, warum sie Bauvorhaben oder eine Pferdehaltung ablehnen. (Auch wenn man leider feststellen muss, dass die rechtlichen Möglichkeiten eine Pferdehaltung zu verbieten sehr groß sind!)

Das Ende meiner Geschichte:

In meinem Falle hat es funktioniert und die Genehmigung wurde erteilt. Der Mist wird in GFK-Wannen gesammelt und entweder nach 6 Moanten auf der Wiese kompostiert oder vorher zum Bauern gebracht. Anstatt eines Betonbodens haben wir eine gülledichte Folie mit Gefälle in ein Sandbett gelegt, mit Sand aufgefüllt und darauf dicke Gummimtten (undurchlässig) gelegt – damit ist der Stall komplett rückbaubar. Protokolliert wurde das durch Mitarbeiter des Bauamtes, darauf hatte die Behörde wert gelegt.  Durch Kauf eines kleinen Stücks der Weide unterhalb konnte der Auslauf dorthin verlegt werden und im Garten ist noch Platz für Spielhaus, Trampolin und Co. Um den Stall auch mit dem Traktor zu erreichen ohne eine tiefe Spur durch den Garten zu ziehen, wurden stabile Kunststoffgitterplatten in ein Sandbett gelegt und begrünt. Nur wer direkt daneben steht, sieht, dass hier Platten liegen.

 

 

 

 

 

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