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Bodenarbeit – was für wen?

Montag 27. Januar 2014 von admin

Bodenarbeit ist sinnvoll und macht Pferd und Reiter Spaß sagen die einen und üben das Überwinden und Herangehen von ungewöhnlichen Hindernissen wie Planen oder das Hinterherziehen von Rappelsäcken, die anderen sagen es sei “alles Quatsch”. Die nächste Fraktion meint mit Bodenarbeit die Verwendung von Doppellonge, der nächste denkt an Hohe Schule am Langzügel und der Dritte meint die unterstützende Hilfe des Reitlehrers vom Boden mit der Gerte.

Und ich glaube: alle haben Recht und möchte dies ein wenig entwirren

Beginnen wir am Anfang – mit den jungen Pferden und Fohlen. Ja auch sie sollten schon in “Bodenarbeit” geschult sein, sprich, am Halfter führbar sein und damit die ersten Signale zum anhalten und losgehen kennen. Wer sich hier konsequent in den ersten Jahren des jungen Pferdelebens Mühe gibt, hat später auch ein Pferd, das sich an Halfter und Strick führen und anhalten läßt und vielleicht auch schon Signale zum Rückwärts- und Seitwärtstreten kennt. Doch leider trifft man immer wieder auf Menschen und Pferde, die dies nicht beherrschen. Da zieht das Pferd seinen Menschen von Grasbüschel zu Grasbüschel, rempelt seinen Reiter am Boden einfach um oder schleift ihn gar am Halfter hinter sich her in die Box. Hier wird es auch beim erwachsenen Pferd notwendig, einige Übungseinheiten zum “guten Führen lassen” einzulegen.

Das ist für mich die Basis zu jeder weiteren Form von Bodenarbeit. Das Pferd soll sich sicher in verschiedene Richtungen dirigieren lassen, soll seitwärts und rückwärts gehen, auf Kommando stehen bleiben und in dem Tempo neben mir laufen, das ich vorgebe. Aber wie kann man das erreichen? Vor allen Dingen, wenn mein Pferd es gewohnt ist, mich zu ignorieren und auf Signale am Halfter nicht mehr reagiert? Hier können verschiedene Methoden hilfreich sein, z.B. die Verwendung einer Führkette, eines Knotenhalfters oder des sogenannten Dually Halfters. Aber all diese Hilfsmittel alleine sorgen noch nicht für ein gut erzogenes Pferd – hier muss auch der Mensch etwas lernen. Dazu gehört an erster Stelle, sich darüber im Klaren zu sein, was sein Ziel ist und dass man dieses Ziel auch durchstzen möchte. Und nein, bei einem 600kg Pferd oder auch nur einem 150 kg Pony gelingt das nicht durch den vorangestellten Einsatz von Küsschen und Leckerli (das darf natürlich zur Belohnung, nach der eingeforderten Leistung gegeben  werden).

Hier ist gegenüber dem Pferd Präsenz und Konsequenz gefragt – das bedeutet, dass andere Dinge nicht nebenbei erledigt werden können. Außerdem bedeutet es, dass ich nicht erst mit Führübungen beginne, wenn ich schon auf dem Platz oder in der Halle bin, sondern schon auf dem Weg dorthin. Denn bei dieser Art der Bodenarbeit geht es um die alltägliche Basis und die kann ich durch Übungen in einem umgrenzten Bereich optimieren, sollte sie aber überall schon einfordern.

Wer diese Stufe schon erreicht hat, kann natürlich entscheiden, ob das für seine Ansprüche genug ist und er lieber nur noch vom Sattel weitertrainieren möchte (und natürlich die Basisübungen beim alltäglichen Umgang immer wieder einfordert) oder noch einige Dinge mehr am Boden erarbeiten möchte.

Weitere Bodenarbeit kann die Beziehungen zum Pferd grundlegend verändern, stärkeres Vertrauen aufbauen, dass dann auch im Sattel spürbar ist. Es kann dem Pferd helfen, selbstbewusster und mutiger zu werden, indem es gelernt hat, auch “unheimliche” Situationen (wie z.B. in der Gelassenheitsprüfung) zu meistern. Bodenarbeit kann auch einfach dabei helfen, dass Pferde sich einfacher händeln lassen, da sie auf kleinste Zeichen reagieren. Schöne, ganz unterschiedliche Beispiele findet man in diesen Videos:

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Spaß im Gelände-Garten

Es gibt so viele Methoden, welche ist denn nun die Beste?

Eine gute Frage und meine Antwort lautet: die, die zu mir am besten passt! Egal ob TTEAM nach Linda Tellington Jones oder PNH (Parelli Natural Horsemanship nach Pat Parelli), egal ob ich nach Alfonso Aguilar oder Monty Roberts arbeite, ein Leitseil benutze, eine Führkette, eine weiße Gerte oder einen Carott-Stick – alle haben eines gemeinsam, nämlich das Ziel Pferd und Reiter eine Einheit werden zu lassen. Und bei allen muss als erstes der Mensch lernen, das Pferd zu verstehen um dann mit den notwendigen Hilfen darauf reagieren zu können.

Aber kommen wir noch zu einem weiteren Feld der Bodenarbeit, zur Arbeit an der Doppelonge oder aber auch dem Langzügel. Beide eignen sich hervorragend um Pferde auch dressurmäßig vom Boden arbeiten zu können. An beides muss man sein Pferd auch erst gewöhnen, dabei ist am Anfang manchmal etwas Hilfe nötig und natürlich gehört dazu, dass mein Pferd die Basics am Boden beherrscht und mich als Mensch ernst nimmt. Vor der Arbeit an der Doppellonge sollte sich das Pferd an einer einfachen Longe sicher longieren lassen und auf Signale von unten gut reagieren. An der Doppellonge kann man hervorragend an Punkten wie Biegung, Dehnung, Aufrichtung und Schwung arbeiten – aber das muss auch der Longenführer können. Das bedeutet auch, ein Auge für die Bewegungen des Pferdes zu haben und dann auch passend einwirken zu können.

Bei der Arbeit am Langzügel ist eine dressurmäßige Ausbildung des Pferdes vom Sattel aus hilfreich, aber durch gute konsequente Arbeit können auch kleine Ponys, die nicht geritten werden, gute Arbeit leisten. Aber auch hier wird vorausgestzt, dass der Reiter schon über einige Kenntnisse verfügt oder sie sich aneignen möchte. Dann sind Übungen bis zur hohen Schule inklusive Schulen über der Erde trainierbar. Wer allerdings sein Pferd beim Führen schon kaum unter Kontrolle hält, sollte zuerst an der Basis arbeiten – dann klappt es irgendwann auch mit den anderen Übungen. Ein paar Eindrücke vermitteln diese Videos:

Video Doppellonge

Video Langzügelarbeit

Dieser Beitrag wurde erstellt am Montag 27. Januar 2014 um 10:05 und abgelegt unter Allgemein. Kommentare zu diesen Eintrag im RSS 2.0 Feed. Sie können einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf Ihrer Seite einrichten.

Ein Kommentar über “Bodenarbeit – was für wen?”

  1. Nadja schrieb:

    Lieber Autor,
    danke für diese unvoreingenommene Zusammenfassung. Besonders wichtig finde ich den Punkt, mit den Übungen nicht erst in der Halle zu beginnen. Die Interaktion mit dem Pferd startet schließlich schon, wenn ich die Boxentür oder das Koppeltor aufmache – und schon da kann einiges in die Hose gehen. Wenn mich mein Pferd nur in der Halle als konsequent erlebt und außerhalb machen kann, was es will, dann nützen mir die schönsten Übungen in der Halle nichts.
    viele Grüße
    Nadja

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